Kindererziehung während einer Pandemie

Über die Herausforderungen des Kindseins während einer Pandemie; Tipps und Tricks zur Erziehung von Jugendlichen und Kindern

Durch die anhaltende Pandemie verstärkt sich auch die Herausforderung des Elterndaseins, die Erziehung mit Homeoffice, Lockdowns und den einhergehenden Einschränkungen zu vereinbaren. Auch unsere Kinder und Jugendlichen sind von der Pandemie sehr stark betroffen.

War es einst möglich, als Teenager lebensfroh und sorgenfrei die Zeit der Entdeckung in Parks, Kinos, Cafés oder Clubs mit einer Gruppe von Freunden/Freundinnen zu verbringen, stehen Jugendliche heute vor der Herausforderung, wichtige Erfahrungen zur Entwicklung der Persönlichkeit und Austestung ihrer persönlichen Grenzen auf neuen Wegen zu erkunden.

Was früher unbeschwert möglich war, ist heute mit Stigmata und Sorgen verbunden. Die Angst, geliebte oder nahestehende Menschen wegen eines sorgenfreien Nachmittags unter Freunden anzustecken, ist nun Alltag geworden.

 

Doch wie kann ich als Elternteil meine:n Jugendliche:n trotz der Pandemie dabei unterstützen, diese wichtigen und prägenden Erfahrungen zu erleben?

Zu Beginn ist es wichtig zu differenzieren, welche dieser Erfahrungen besonders wichtig sind und wie diese umgestaltet werden können, damit sie nicht ausbleiben müssen.

Zu den prägendsten Erfahrungen des Teenagerseins zählen die Körperveränderung, die Sexualität und die Konfrontation mit Gesellschaft und Kultur. In diesen Bereichen lernen Teenager, ihre eigene Identität zu entwickeln, die sie für ihr späteres Erwachsenenleben brauchen.

Die Veränderungen am Körper und die damit einhergehende hormonelle Umstellung stellen eine der größten Herausforderungen für Jugendliche dar. Neben den äußerlich sichtbaren Veränderungen (Schambehaarung, Brustwachstum, Bartwuchs etc.) erleben Teenager eine Hochschaubahn der Gefühle. Als Eltern haben wir Teil an diesem Erleben und sind auch ohne den zusätzlichen Faktor Pandemie häufig ratlos.

Die Sexualität ist für Jugendliche die womöglich wichtigste Erfahrung. Hierzu zählen die erste große Liebe, erste körperliche Berührungen und Küsse.

Während die körperliche Entwicklung und die Sexualität meist nicht beeinflusst werden können, kann die Konfrontation mit der Gesellschaft und der Kultur gerade in diesen Zeiten von Eltern gut begleitet werden. Jugendliche erlernen durch die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft und ihrer Kultur ihre eigenen persönlichen Grenzen, Meinungen und Wertigkeiten kennen. So etwa erfahren Teenager in dieser Phase auch, in welcher Rolle sie sich in der Gesellschaft wohlfühlen und wo ihre Stärken und Schwächen liegen.

 

Tipps und Tricks für Teenager

  • Unterstützen Sie ihren Teenager dabei, sich und seinen/ihren/* Körper zu akzeptieren, erklären Sie die Vorgänge des Körpers und unterstützen Sie bei der neuen Körperpflege (Deo, Schminke, Rasur etc.).

  • Gehen Sie dabei mit gutem Beispiel voran, indem Sie sich selbst überlegen: Akzeptiere ich mich und meinen Körper so wie er ist? Wie ist es mir in meiner Jugend dabei ergangen?

  • Social Media und das Internet übernehmen laut aktuellen Statistiken den Großteil der Aufklärung über Sexualität im Jugendalter. Achten Sie darauf, dass Ihr Teenager den Zugang zu Aufklärung erhält, den er/sie/* braucht. Fragen Sie nach, ob Sie dabei durch gemeinsame Gespräche oder Recherchen über Sexualität unterstützen können. Klären Sie Ihre:n Jugendliche:n über falsche Darstellungen von Sexualität im Internet auf.

  • Geben Sie dem/der Jugendlichen auch während der Pandemie die Möglichkeit, sich in seiner/ihrer Identität zu entdecken. Stellen Sie dafür einen Rahmen her, der die Einhaltung der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung und den Austausch mit Gleichaltrigen und der Gesellschaft ermöglicht. Ein Beispiel hierfür könnte sein, 1-2 Freund:innen des Teenagers als fixe Bezugspersonen auch während verschärfter Maßnahmen gemeinsam festzulegen. Schaffen Sie Möglichkeiten für Kontakte im Freien (Parks, Picknicks, etc.) wenn es nötig ist.

  • Erklären Sie auch die politische Situation rund um die Pandemie und geben Sie dem/der Jugendlichen die Chance, sich seine/ihre eigenen Werte und Meinungen zu bilden.

  • Schenken Sie den Teenagern ein offenes Ohr, auch wenn Sie manchmal über das ein oder andere am liebsten nicht Bescheid wüssten. Sie sind nun die häufigste und direkte Bezugsperson für Ihre:n Jugendlichen.

  • Loben Sie Ihren Teenager dafür, wie gut und stark er/sie/* in den letzten Monaten war, da er/sie nicht nur mit der Pandemie, sondern auch mit sich selbst zu kämpfen hatte.

 

Und unsere Kleinsten?

Nicht nur für Teenager, auch für unsere Kleinsten stellt die Pandemie eine große Herausforderung dar. In Kindergärten und Schulen tragen Pädagogen/Pädagoginnen und Lehrer:innen Masken, Regeln zur Händehygiene werden eingeführt, vor dem Unterricht werden Tests durchgeführt und das Spielen mit anderen Kindern ist plötzlich eingeschränkt.

Wie kann ich als Elternteil auch hier meine Kinder unterstützen und begleiten?

Es ist wichtig, sich der Erfahrungen, die Kinder im Kindergarten und Volksschulalter machen, bewusst zu sein.

Besonders im Kindergartenalter sind die Grob- und Feinmotorik, die Unterscheidung der Innen- und Außenwelt (Was gehört mir? Was gehört dir?) sowie die Entwicklung eines Zeitbewusstseins besonders wichtig. Neben den motorischen Erfahrungen und den Erfahrungen über ihre Sinnesorgane (Fühlen, Riechen, Schmecken, …) sammeln Kinder vor allem durch den Kontakt mit anderen Kindern erste außerfamiliäre emotionale Erfahrungen. In dieser Lebensphase werden auch die ersten Freundschaften geschlossen. Mit viel Kreativität kann es gelingen, die fehlenden Erfahrungen aufgrund des Fernbleibens von Kindergarten und Kindertreffen zu kompensieren.

Im Volksschul- und Grundschulalter stellen der Wissenserwerb, sportliche Aktivitäten und der Kontakt zu Gleichaltrigen eine wichtige Rolle dar. Wissen kann im Gegensatz zu Jugendlichen noch nicht selbstständig erworben werden und die Pandemie hat den Wissenserwerb erheblich eingeschränkt. Dies stellt vor allem für Eltern die womöglich größte Herausforderung dar: Die Rolle des Lehrers/der Lehrerin zu übernehmen.

 

Tipps und Tricks für Kindergarten- und Volksschulalter

  • Versuchen Sie den Kindern die Angst vor dem Covid-19 Virus zu nehmen, indem Sie den Kindern Handlungsmöglichkeiten gegen das Virus anbieten (Händehygiene, kein Abschmusen der Großeltern, sondern neue Begrüßungen, z.B. eigener Händedruck, entwickeln etc.)

  • Achten Sie auf eine einheitliche Tagesstruktur. Zum Beispiel sollte wochentags derselbe Rhythmus wie an Schultagen stattfinden (Aufstehen, Lernen, Spielen, Essen, Rausgehen, Schlafen)

  • Begrenzen Sie die Medienzeiten, indem Sie mit den Kindern gemeinsam fixe Uhrzeiten oder ein Zeitkontingent vereinbaren. Diese können gut mit dem Homeoffice verbunden werden.

  • Versuchen Sie, den normalen Alltag beizubehalten, und binden Sie die Kinder auch in Haushaltstätigkeiten mit ein.
  • Achten Sie auf ausreichend Bewegung bei Ihrem Kind. Bewegung fördert die Konzentrationsfähigkeit und stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder.

  • Geben Sie den Kindern auch während der Pandemie die Möglichkeit, sich in ihrer Identität zu entdecken. Stellen Sie dafür einen Rahmen her, der die Einhaltung der Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung und den Austausch zu Gleichaltrigen und der Gesellschaft ermöglicht. Ein Beispiel hierfür könnte sein, 1-2 Freunde/Freundinnen der Kinder als fixe Bezugspersonen auch während verschärfter Maßnahmen gemeinsam festzulegen. Schaffen Sie Möglichkeiten für Kontakte im Freien (Spielplätze, Parks, Picknicks etc.), wenn es nötig ist.

  • Auch Kindern fällt manchmal die Decke auf den Kopf, was sich in „mürrischen Minuten“ äußern kann. Schenken Sie Ihrem Kind den Rahmen, dies auch empfinden zu dürfen.

  • Gestalten Sie Spiele zu Hause, die Abwechslung im Alltag bringen (Topfschlagen, Hindernisparcours, Ballon-Volleyball, etc.).

  • Loben Sie Ihre Kinder für ihre Stärke und ihr Durchhaltevermögen in den vergangenen Monaten.

 
Nehmen Sie Unterstützung und Betreuungsmöglichkeiten an!
Auch Eltern darf kurzzeitig die Luft ausgehen! 🙂

Zum Thema Kindererziehung während einer Pandemie können Sie sich auch ein Video ansehen.

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